Woche 37: Spiele und Familie

Ich war gerade in unserer tollen Bücherei, zu der ich mal einen eigenen Artikel schreiben muss. Dort lief ein Vortrag mit dem Titel „Die Rolle von Computerspielen in der modernen Familie“. Das ist ja ein Thema, das mich als ehemaligen Spiele-Entwickler, der zu dem Thema gelegentlich von Freunden mit Kindern gefragt sind, interessiert, und wo ich eine Meinung habe, also habe ich mir das angesehen. Der Sprecher war selber Vater eines achtjährigen Minecraft-Spielers, und ist wie ich in den 80ern mit Mario und Co aufgewachsen. Leider hat er sein Vortrag das Publikum verfehlt, das gefühlt zu über 90% aus Eltern bestand, deren Kinder ihrer Meinung nach zu viel Fortnite spielen.

Statt diese Eltern bei ihren Ängsten abzuholen, und streng gegen die Binsenweisheiten anzugehen, die in den Medien über limitierte Screenzeit, Spielesucht und Gewalt verbreitet werden, hat er zuerst eine Geschichte des Videospiels als Medium erzählt. Wer dabei nicht eingeschlafen ist, konnte noch ein paar Worte zu Mobbing hören, und der alten Kamelle, dass die Kinder die in der Schule gemobbt werden sich in Videospielen verwirklichen können. Und man soll froh sein, dass sie keine Drogen nehmen.

Der spannendste Teil wäre die Q&A Session am Schluß gewesen, wenn ich die Fragen nicht alle schon zu Beginn hätte vorhersagen können. Der Redner wohl nicht, denn dann hätte er einerseits seinen Vortrag anders gestaltet, und andererseits bessere Antworten gehabt. Es war alles dabei von „wie schädlich ist es für meinen Sohn, dass er mit acht Jahren schon Fortnite spielt, weil das doch erst ab zwölf ist?“ über „Muß ich Angst haben, dass er mal so ein Schulmörder wird wie man die aus Amerika kennt?“ bis zu meinem persønlichen Favoriten: „Wie schädlich ist denn eigentlich die Strahlung von all diesen elektronischen Geräten, vor denen die Kinder den ganzen Tag sitzen?“

Der Frau hätte ich gerne geantwortet, dass mir mal ein Mitbewohner einen Kristall geschenkt hat, der vor den Strahlen schützt, wenn man ihn auf den Monitor legte. Hat prima funktioniert, ich habe keine Strahlenschäden, selbst nachdem der Kristall irgendwann im Blumenbeet hinterm Haus liegen blieb.

Insgesamt war jedenfalls kein Erkenntnisgewinn festzustellen, weder bei mir noch anderswo. Schade.

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